Stellenausschreibungen: Wunsch & Realität

Ich gestehe: wenn ich mich über Unternehmen informiere, dann lese ich mir immer die Stellenbeschreibungen durch. Auch schaue ich oft auf sozialen Medien, wie sich ein Unternehmen darstellt. Mir geht es nicht darum, eine neue Position zu finden. Sondern um Information.

Ich kenne es aber auch noch aus der Vergangenheit, als ich neue Herausforderungen gesucht habe. Seitdem (über zwei Jahre) hat sich wenig geändert. Es ist aber viel gleich geblieben: Stellenbeschreibungen entsprechend nur selten der Realität. Beispiele? Sehr gerne!

Erst vor kurzem (17. Mai 2019) habe ich eine Mail mit folgendem Inhalt bekommen:

„Mein Kollege und ich bauen derzeit diverse Teams (…) auf, der einen Wachstumsantrieb von 50% bis 2021 anstrebt. Nun habe ich die einmalige Gelegenheit mehrere Mandate für Sales Experten zu besetzen. Das Ziel ist es, gemeinsam im pan-europäischen Team ein globales Business auf tier1-Ebene aufzubauen.

Gute Leute kennen immer gute Leute!“

Wenn man sich diese kurze Anfrage anschaut, dann stellt man fest: ok, es wird ein Sales benötigt, der den hohen Wachstum des Unternehmens maßgeblich unterstützten soll. Heißt also in der Realität neue Kunden akquirieren und mit hoher Wahrscheinlichkeit viel Druck (vor allem durch Zahlen getrieben) ausgesetzt zu sein. Für Kunden von diesem Unternehmen heißt es, dass man „nur“ eine Erfüllung zur Zielerreichung ist. Durchaus spannend in der heutigen Zeit. Vielleicht auch mutig?

Ich gehe einmal weiter. Oft lese ich auch Beschreibungen und stelle fest:

  1. Die Ausschreibung könnte jeden ansprechen
  2. Es könnte sich dabei um fast jedes Unternehmen handeln
  3. Die Realität sieht dann doch anders aus

Aufbau

Prinzipiell gibt es inzwischen immer noch den klassischen Aufbau:

  1. Kurze Vorstellung des ausschreibenden Unternehmens
  2. Wo wird die neue Position gesucht
  3. Name der Position (Visitenkarte)
  4. Künftige Aufgaben
  5. Anforderungen
  6. Kontakt

Kurz und knapp. Manchmal lässt sich auch noch der Punkt „Warum sollten Sie zu uns kommen?“ finden.

Und natürlich gibt es dann unzählige Abwandlungen – manche modern, manche verrückt und alles dazwischen.

Sichtweise Unternehmen

Die Fachabteilung hat Inhalte geliefert, was sie benötigt. Das Unternehmen hat dazu einen Rahmen erstellt und der Personalbereich (HR, Personalabteilung, etc.) trägt zusammen und stellt die Anfrage online. Jetzt erhofft man sich eine Sogwirkung von Bewerbern, Empfehlungen über das Netzwerk oder auch auf Unterstützung von Headhuntern.

Was dabei zu kurz kommt: man hat sich wenig Mühe gegeben und lebt oft noch in der Vergangenheit „Bewerber müssen sich bei uns bewerben“. Augenhöhe ist oft noch schmerzlich zu vermissen.

Sichtweise Bewerber

Aus der Sicht des Bewerbers fällt einem auf, dass alles kurz und knapp gehalten ist. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass der Anspruch an den Bewerber nur gestreift wird. Zwei Punkte sprechen ihn an: Aufgaben und Anforderung. Person? Egal.

Und hier kann man schon mit der ersten Interpretation bei den meisten Unternehmen beginnen: die Aufgaben stehen im Vordergrund – also bitte konzentriere dich als Bewerber darauf. Aber nur, wenn du die Anforderung erfüllst.

Klar, Unternehmen wollen wirtschaften. Das liegt in der Natur eines Unternehmens. Das soll hier auch nicht der Kritikpunkt sein. Es geht hier um die Reduktion darauf. Der Mensch ist nur eine Ressource zur Erfüllung.

Aber ich will raus aus der Theorie – ich habe mir ein paar Ausschreibungen exemplarisch herausgepickt und werde ein paar Teile davon

Beispiele

Das folgende Beispiel zeigt sehr anschaulich, dass nicht der Mensch, sondern das Unternehmen und die Aufgabe im Mittelpunkt steht:

Partner Account Manager (m/w/d)

Hier folgen erstmal 10 Zeilen zur Beschreibung des Unternehmens.

Deine Aufgabe

14 Zeilen zur Aufgabe. Darunter fallen Sätze wie „Du bist für die Entwicklung des Geschäfts mit unseren Partnern verantwortlich“ und „Du analysierst und bewertest potentielle Vertriebspartner und gewinnst neue Partner mit Potential in unserem Portfolio“

Wenn man hierzu einen Blick auf das Unternehmen an sich wirft, dann fällt auf, dass es sich hohe Wachstumszahlen gesetzt hat. In der Realität wird diese Position sehr stark zahlengetriggert arbeiten müssen.

DEINE QUALIFIKATION

10 Zeilen zur Qualifikation. Darunter Sätze wie „Du hast ein Studium im Bereich der Informatik, Ingenieurswesen oder Betriebswirtschaftslehre erfolgreich absolviert oder verfügst über eine abgeschlossene Ausbildung in einer informationstechnischen Fachrichtung, verbunden mit einschlägiger Berufserfahrung.“ oder  „Dabei bist du sehr belastbar und engagiert.“

Der erste Satz ist in fast allen Stellenbeschreibungen zu finden. Interessanter ist der zweite Satz (inzwischen mein Lieblingssatz bei Stellenbeschreibungen) mit „sehr belastbar“. Tja, muss man das bei der Position, in dem Markt oder bei dem Unternehmen sein? Was heißt „belastbar“?

DEINE CHANCE

3 Zeilen! Nicht mehr. Das war es. Und dann folgt noch ein Satz „Wenn Du gerne flexibel arbeitest, dann freuen wir uns auf deine aussagefähige Bewerbung über unsere Homepage.“

Business Develompent Manager

Diese Position finde ich persönlich immer wieder interessant. Sie hat sich nämlich verändert, bzw. wird sie von Unternehmen oft als „Sales“ interpretiert. Dazu auch dieses exemplarische Beispiel.

Ihre Aufgaben:
    1. Punkt
    2. Punkt
    3. Punkt
    4. Punkt
    5. Punkt
    6. Punkt
    7. Punkt
    8. Punkt
    9. Punkt
    10. Punkt
    11. Punkt
    12. Punkt
    13. Punkt
    14. Punkt

15 Punkte zu den Aufgaben. Darunter Aufgaben wie „Akquise von neuen Geschäftspartnern, Reaktivierungsmaßnahmen und Schaffung neuer Umsatzchancen“ und „Ausbau und Pflege von bestehenden Kundenbeziehungen„.

Ihr Profil:
  1. Punkt
  2. Punkt
  3. Punkt
  4. Punkt
  5. Punkt
5 Punkte zum Profil. Mehr muss ich dazu nicht eingehen. Den Abschluss bilden 5 Zeilen mit „dynamischen Umfeld“ und „30 Tage Urlaub“, als allgemeines Füllmaterial und das war es.

Fazit

Mir geht es hier nicht um Bashing gegenüber Arbeitgebern. Ich baue darauf, dass in Unternehmen erkannt wird, dass der Mensch (Achtung: Arbeitnehmer sind Menschen!) keine „Ressource“ (Stichwort „HR“) ist, sondern ein Individuum. Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Und in der heutigen Zeit sollte man sich Zeit nehmen, um auf den Menschen auch einzugehen. Es gehört in Stellenbeschreibungen mehr dazu. Und dann kommt natürlich noch der nachgelagerte Prozess. Liebe Unternehmen und Stellensuchende, begegnet euch auf Augenhöhe. Und hier spielt im Übrigen die Generation keine Rolle. Eine sinnstiftende Arbeit, etwas, auf dass man als Mensch zurückblicken kann, das interessiert jeden von uns und reizt uns mehr, als irgendwelche aufgebauschten und blumigen Aussagen!

3 Gedanken zu „Stellenausschreibungen: Wunsch & Realität

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